DER LANDBOTE: "Ofenbauen ist beides, Handwerk und Kreativität"



Fredi Mathys

von Lorenz Keller
"Wer mein Büro in einem umgebauten Bauernhaus in Seuzach betritt, in dem ich auch mit meiner Familie wohne, sieht als Erstes ein Cheminée mit einem lang gestreckten Sichtfenster. Einfach, schlicht und trotzdem schön. In der kälteren Jahreszeit brennt darin ein Feuer. Das Cheminée dient zur Heizung des Büros und eines Kinderzimmers hinter der Wand. Speichercheminées sind eine der Spezialitäten von mir. Wenn man mit zehn bis zwölf Holzscheitern einheizt, wird die Wärme 24 bis 36 Stunden gespeichert, ähnlich wie bei einem Kachelofen.

Als Hafner baue ich Öfen und Cheminées. Ich habe mich auf alte, antike Kachelöfen und auf ganz moderne Anlagen spezialisiert. Warmluftcheminées oder Schwedenöfen baue ich aus persönlicher Überzeugung nicht ein. Ursprünglich lernte ich Maurer, anschliessend erwarb ich das Diplom als Baupolier und besuchte die Bauschule in Aarau, erst dann habe ich Hafner gelernt. Mir war schon früh klar, dass ich nicht den ganzen Tag im Büro sitzen möchte. Ich bin Handwerker, gestalte aber auch gerne. Da ist Ofenbauer eine ideale Mischung. Vor 16 Jahren habe ich eine Ofenbaufirma gegründet. Von Anfang an haben mich historische Kachelöfen interessiert. Gerade in Winterthur gibt es ja in diesem Bereich eine lange Tradition. Mit den Jahren erarbeitet man sich einen Erfahrungsschatz, der einem zu immer neuen Aufträgen verhilft. Vor zehn Jahren habe ich so zum Beispiel die wertvollsten Kachelöfen der Welt im Schweizerischen Landesmuseum aufgebaut. Es handelt sich dabei um die Winterthurer Rathausöfen von David und Hans-Heinrich Pfau aus dem Jahr 1697, welche die Stadt Winterthur seinerzeit der Stadt Zürich zum Bau des Rathauses geschenkt hat. Mir gefallen aber auch moderne Anlagen. Es ist schön, wenn ich zusammen mit der Bauherrschaft etwas entwerfen und gestalten kann, das in einen modernen Wohnraum hineinpasst.

Ich habe ganz unterschiedliche Kunden. Vor Kurzem zum Beispiel besuchte mich eine deutsche Baronin. Sie hatte einen Artikel in einer deutschen Wohnzeitschrift gesehen, in dem ich als Spezialist für Öfen erwähnt wurde. Sie suchte einen schönen Speicherofen für ihre Bibliothek. Zusammen haben wir den Ofen geplant, und im Herbst wird er dann eingebaut. Meine Kunden würde ich unter dem Begriff "Geniesser" zusammenfassen, die gerne ein Glas Wein geniessen und denen das Zuhause sehr wichtig ist. Mit einem Ofen schafft man sich ein Plätzchen Wohlfühlen in der Stube. Es gibt viele Häuser und Wohnungen, wo der Ofen die Hauptwärmequelle ist.

An einer Anlage baue ich meist so vier bis sechs Wochen. Das kann hier in der Region, aber auch im Ausland sein. Ich habe Leute, die mir beim Installieren im Raum, beim Herausbrechen von Mauern oder beim Fundament helfen. Am Ofen selber arbeite ich gerne alleine. So behindert man sich nicht gegenseitig. Ich bin jemand, der sehr konzentriert arbeitet - das kann ich am besten ganz alleine. Gerade bei anspruchsvollen Arbeiten wie im Landesmuseum braucht man alle Sinne. Da darf nichts kaputtgehen, denn jede Kachel des Ofens ist kunst- und kulturhistorisch sehr wertvoll. Das fasziniert mich an alten Öfen: die Einmaligkeit und dass man erkennen kann, wie schon vor über dreihundert Jahren präzise und mit viel Liebe gebaut wurde. Wichtig bei einem modernen Ofen ist mir eine gute Verbrennungstechnik. Die Wärme soll gespeichert werden, nicht wie bei einem Schwedenofen, der schnell heiss und dann gleich wieder kalt wird. Eine gleichmässige Speicherwärme ist für den Menschen viel angenehmer und wirkt sich auf sein Wohlbefinden aus.

Ein zweiter Punkt ist das Design. Mir gefallen schlichte Anlagen ohne Nischen und Plättchen. Ich baue auch gerne einen Zusatznutzen ein, zum Beispiel ein Wärmefach für "Chriesisteisäckli" oder etwas, worin man im Ofen ganz nebenbei Brot und Pizza backen kann. Ein kleiner Speicherofen ist ab 17 000 Franken zu haben. Auch Umweltschutz ist ein Thema. Es ist heute schon kein Problem, einen Rauchfilter einzubauen. Das unterstütze ich. Wichtig ist, dass keine Abfälle verbrannt werden, sondern nur trockenes, gelagertes Holz aus dem Wald. Damit meine Öfen fachgerecht betrieben werden, bekommt jeder Bauherr eine persönliche Instruktion und eine Bedienungsanleitung. Das erste Mal wird gemeinsam eingefeuert.

Der Hafner sollte robust sein, da man Mörtel oder Lehm schleppen muss. Der Staub beim Bauen kann einem zusetzen. Auch das Ausstreichen des Feuerraums mit Lehm ist keine angenehme Arbeit, aber eine notwendige Pflege alle paar Jahre. Dazu muss man richtig in den Ofen hineinkriechen. Wichtig ist ein Sinn fürs Gestalterische. Seine Ideen sollte man auch in Zeichnungen umsetzen können. Eine dreijährige Lehre führt zum Beruf. Jeweils acht Mal pro Jahr besucht der Lehrling die Berufsschule in Frohburg in der Nähe von Olten. Ein guter Hafner braucht jedoch vor allem eines: möglichst viel Erfahrung."


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